Wahnsinn

Expressionismus 06/2017

Nicht nur als radikalster Gegenentwurf zur bürgerlichen Kultur, sondern auch als ein Hauptmerkmal expressionistischer Ästhetik an sich kann die Thematisierung von psychischen Extremzuständen und ‚Geisteskrankheit‘ angesehen werden. Nachdem um die Jahrhundertwende die Psychoanalyse Gesellschaft, Individuum und Sexualität unter gänzlich neuen Prämissen dachte, beschäftigte sich der nur wenig später aufkommende Expressionismus in Kunst, Literatur und besonders dem neuen Medium Film mit psychischen Vorgängen, sexueller Motivik, Traum- und Rauschzuständen. Aber auch der ‚Irre‘ und seine scheinbar unverstellte und nicht genormte Wahrnehmung von Welt und Subjekt sowie sein Außenseiterstatus sind besonders häufig vorkommende Bilder und Konzepte.

Von dem bewusst zugespitzten Stichwort ‚Wahnsinn‘ ausgehend möchte die sechste Ausgabe von Expressionismus nicht nur die Darstellung und Funktion psychischer Krankheiten in der expressionistischen Kunst behandeln, sondern auch die Frage stellen, welche Theorien für die Diskussion leitend sind. Die Beiträge analysieren einerseits die Darstellung und Funktion von Wahnsinn und ‚Geisteskrankheit‘ in Literatur, bildender Kunst und Film. Sie werfen andererseits den Blick auf medizindiskursgeschichtliche Aspekte wie Schizophrenie und Psychosomatik und gehen den expressionistischen Spuren in der therapeutischen Kunstproduktion von Laien in psychiatrischen Heilanstalten nach.

 

Mit Beiträgen von Michael Ansel, Anna Sophie Brasch, Larissa Kikol, Cornelius Mitterer, Carsten Rast, Thomas Röske, Klaus Schenk, Christiane Schmidt, Panagiota Varvitsioti und Sophie Witt.

 

Leseprobe

 

Bereits erscchienene und geplante Ausgaben von Expressionismus:

01/2015 – Künstlerkreise

02/2015 – Der performative Expressionismus

03/2016 – Religion

04/2016 – Expressionistinnen

05/2017 – Der Sturm und Die Aktion

06/2017 – Wahnsinn

07/2018 – Expressionismus-Debatte(n)

08/2018 – Berlin – Call for Papers