Über die literarische Kritik der Gegenwart

Ende des 20. Jahrhunderts postulierte Francis Fukuyama als Reaktion auf den Zusammenbruch des sozialistischen Ostblocks noch das „Ende der Geschichte“ und den Triumph des Liberalismus. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zu Beginn des 21. Jahrhunderts und die Folgen des ‚Arabischen Frühlings‘ haben diese These jedoch Lügen gestraft. Ganz in diesem Sinne fordert der Résistancekämpfer Stéphane Hessel „Indignez-vous!“ in seinem gleichnamigen Manifest für die Gegenwart ein. Diese kritische Neubewertung der Geschichte spiegelt sich in der Literatur des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts in zahlreichen Spielformen alternativer Gesellschafts- und Geschichtsentwürfe wider.

Der Sammelband «Indignez-vous!» vereint jene wissenschaftlichen Beiträge, die im Rahmen der gleichnamigen Tagung für Nachwuchswissenschaftler_innen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vom 1. bis 2. Februar 2013 vorgetragen wurden. Ausgehend von der Annahme einer erneuten Hinwendung zu geschichtsphilosophischen Themen um die Jahrhundertwende wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die in verschiedenen Nationalliteraturen zu konstatierende intellektuelle Neubewertung der Gegenwart für die literarische Auseinandersetzung mit Geschichte hat.

Dabei geht der Band auf vier Aspekte des literarischen Umgangs mit Geschichte ein: das kontrafaktische Erzählen, die Appellfunk­tion der Vergangenheit, das Spannungsfeld von Historienkulisse sowie engagierter Literatur und die Revolution als geschichtliche Zäsur. Betrachtet werden diese narrativen Tendenzen der Gegenwarts­literatur sowohl aus kultur- und literaturwissenschaftlicher als auch aus rechtsphilosophischer und theologischer Perspektive.

 

Mit Beiträgen von Kai Fischer, Maria Hinzmann, Isabel Lammel, Brahim Moussa, Karin Peters, Ulrike Pfeifer, Jasmin Marjam Rezai Dubiel, Erik Schilling und Christian Sternad.

 

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