Was bleiben soll

Alterung, Verfall, Beschädigung und Zerstörung von Kunst und Ding sind Alltag an archäologischen Stätten und in Museen, Kunstsammlungen, Archiven aller Art und natürlich den Werkstätten der Restauratoren. Aber auch in den Ateliers und Lagern der Künstlerinnen und Künstler wird in einem Akt der Selbst-Jurierung ständig darüber entschieden, welches Werk wichtig und wertvoll ist und welches seinen Platz im Lager räumen muss. Die Sorge, wie wichtige Werke als Artefakte erhalten werden können, um im Spiegel der Vielfalt drängend nachwachsender kultureller Produktion eine angemessene Geschichte von Kultur und Kunst erzählen zu können, durchzieht leitmotivisch den hier in Buchform vorliegenden Vermeer-Sensor.

Dabei handelt es sich um einen spekulativen Anzeiger einer kulturell wie gesellschaftlich dialektischen Problematik, die nur stellvertretend an den weltberühmten Maler und seine enigmatische Malerei geknüpft ist. Für eine lebendige Kultur erscheint der auch Werken der Kunst immanent eingeschriebene Verfallsprozess – das Verblassen, Bröckeln und tatsächliche Verschwinden – zunächst als Bürde. Und auf den zweiten Blick als Befreiung.

Der vorliegende Band schneidet als aufgefächertes Kaleidoskop perspektivisch heterogene Schneisen in das komplexe Problem und die Fragestellung, wie der schockierenden Erfahrung der Gleichzeitigkeit ständiger kultureller Verluste einerseits und betriebsamer künstlerischer Überproduktion andererseits zu begegnen ist, um daran nicht irre zu werden.

Mit Beiträgen von Rolf Bier, Nils Büttner, Stefan Eisenhofer, Eva Geulen, Magdalena Holzhey, Petra von Olschowski, Volker Schaible, Harry Walter und einem Gespräch von Rolf Bier und Michael Lüthy.

 

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