Der Text als Zuhause

Die Verschränkung räumlicher Erfahrung mit Erinnerungsbildung und Fragen der kulturellen Zugehörigkeit kann in der jüdischen Gedächtnistradition und Literatur auf eine tiefe Verwurzelung verweisen. Im Exil wird die Bedeutung erinnernder Bezüge zum aktuellen Ort und seinen historischen Bedeutungsschichten stets neu verhandelt. So lässt sich Raum wie auch Erinnerungsbildung als relationaler und dynamischer Prozess charakterisieren, in dem die Positionierung der Akteure von großer Bedeutung ist.

Die in Zuhause im Text untersuchten Texte von Linda Grant, Tamar Yellin und Naomi Alderman nähern sich auf höchst unterschiedliche Weise dem Phänomen der Erinnerung und seiner Verknüpfung mit den räumlichen Geflechten Londons, Liverpools, Tel Avivs oder Jerusalems. Fragen kultureller Zugehörigkeit zu Orten und Erinnerungsgemeinschaften verbinden sich mit der Verhandlung von Fragen der Autorschaft in Bezug auf das eigene Leben wie auch der Erinnerung. Ausdeutungen des Raums, des Textes und des eigenen Selbst rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Martin Kindermanns Buch.

Ausgehend von Analysen zur literarischen Repräsentation von Erinnerung sowie dem spatial turn in den Kulturwissenschaften richtet sich diese Veröffentlichung an Leserinnen und Leser, die sich für die Themenfelder der jüdischen Literatur, Exilliteratur, Raumdarstellung, Erinnerungskonzeption und der kulturellen Hybridität bzw. Interkulturalität interessieren.

 

Leseprobe

 

 

Martin Kindermann studierte Anglistik, Amerikanistik und Ostslavistik an der Universität Hamburg und promovierte in der Anglistik. Seitdem arbeitet er als Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg und der Leuphana Universität Lüneburg. Seit 2014 ist er Postdoc-Stipendiat an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für Literaturwissenschaftliche Studien an der Freien Universität Berlin.

 

Reihe Jüdische Kulturgeschichte in der Moderne

hrsg. v. Joachim Schlör

Bereits erschienen:

Bd. 1: Sebastian SchirrmeisterDas Gastspiel. Friedrich Lobe und das hebräische Theater 1933–1950

Bd. 2: Andreas Lehnardt (Hrsg.): Wein und Judentum

Bd. 3: Lea Wohl von Haselberg (Hrsg.): Hybride jüdische Identitäten. Gemischte Familien und patrilineare Juden

Bd. 4: Alina Gromova / Felix Heinert / Sebastian Voigt (Hrsg.): Jewish and Non-Jewish Spaces in Urban Context

Bd. 5: Maria Teresa Sciacca: Theater ohne Publikum. Literatur im Exil am Beispiel Friedrich Wolfs

Bd. 6: Martin Kindermann: Zuhause im Text. Raumkonstitution und Erinnerungskonstruktion im zeitgenössischen anglo-jüdischen Roman

Bd. 7: Lea Wohl von HaselbergUnd nach dem Holocaust? Jüdische Spielfilmfiguren im (west)deutschen Film und Fernsehen nach 1945

Bd. 9: Laurence Guillon / Heidi Knörzer (Hrsg.): Berlin und die Juden. Geschichte einer Wahlverwandtschaft?

Bd. 10: Thomas LewyZwischen allen Bühnen. Die Jeckes und das hebräische Theater 1933–1948

Bd. 11: Anja Siegemund (Hrsg.): Deutsche und zentraleuropäische Juden in Palästina und Israel. Kulturtransfers, Lebenswelten, Identitäten – Beispiele aus Haifa

Bd. 12: Alexandra KleiJüdisches Bauen in Nachkriegsdeutschland. Der Architekt Hermann Zvi Guttmann

Bd. 14,1: Ines Sonder (Hrsg.): Lotte Cohn. Eine schreibende Architektin in Israel. Bd. 1: Ausgewählte Schriften (1934–1982)

 

In Vorbereitung:

Bd. 8: Frank Schlöffel: Heinrich Loewe (1869–1951). Zionistische Netzwerke und Räume

Bd. 13: Susanne Plietzsch / Armin Eidherr (Hrsg.): Durchblicke. Horizonte jüdischer Kulturgeschichte

Bd. 14,2: Ines Sonder (Hrsg.): Lotte Cohn. Eine schreibende Architektin in Israel. Bd. 2: Ausgewählte Briefe (1921–1982)

Bd. 15: Viktoria Pötzl: Nation, Narration und Geschlecht. Eine feministische Literaturanalyse der Werke Yael Dayans

Bd. 16: Rebekka DenzBürgerlich, jüdisch, weiblich. Frauen im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (1918–1938)