Das Recht in der eigenen Hand

Seit Anbeginn der Kinogeschichte spielt Gewalt im amerikanischen Kino eine Rolle. Waren es in den Anfangsjahren Hollywoods vor allem Westernfilme, in denen die Akteure ‚ihr‘ Recht in die eigenen Hände nahmen, um ihre Ansichten von Gerechtigkeit durchzusetzen, kamen ab den späten 1960er Jahren Spielfilme auf, die zugleich die amerikanische Erfahrung der ‚Popular Justice‘ auf andere Genres übertrugen und begannen, erstmalig eindeutige Selbstjustiz als Kontrast zur staatlichen Legalität zu definieren.

Mit dem Wegfall der Selbstzensur des ‚Production Code‘ konnten es sich Regisseure und Produzenten des ‚New Hollywood‘ ab Ende der 1960er Jahre erlauben, neben mehr Gewalt auch deutliche Gesellschaftskritik in ihren Filmen unterzubringen. Zeitgleich machte das uramerikanische Filmgenre des Westerns eine Sinnkrise durch. Parallel dazu können die heftigen soziokulturellen Umbrüche sowie ein konservatives Umdenken der Politik auch als Grund dafür gesehen werden, dass sich ab circa 1967 das genreübergreifende Thema der Selbstjustiz im amerikanischen Film manifestierte und seitdem mit unterschiedlichen Entwicklungsstufen eine interessante Grundlage des Hollywood-Kinos darstellt.

Trigger-happy Hollywood beschreibt jene Entwicklung der Selbstjustiz im amerikanischen Film und bezieht sich dabei vor allem auf die Zeit seit den revolutionären 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Der Band versucht, Selbstjustiz als Unterform extralegaler Gewalt näher zu bestimmen, historisch und soziologisch einzuordnen, um damit einen moral- und rechtsphilosophischen Beitrag zur Filmwissenschaft zu leisten.

 

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