Neue Wege entdecken

Das Moped springt beim ersten Tritt an. Das Fahren fühlt sich wackelig an, wird aber stabiler, sobald ich die passende Sitzhaltung gefunden habe. Die Geschwindigkeit steigt, die Ärmel meiner Jacke werden zu Flügeln.

 

In Juhani Seppovaaras Roman Mit dem Moped durch Finnland reist der Ich-Erzähler in den Norden Finnlands, nach Lappland, kauft sich dort eher zufällig ein Pappa-Tunturi-Moped, das in Finnland einen kultischen Status genießt, und fährt quer durch das Land Richtung Süden. Auf seiner Reise entdeckt er das Land, in dem er schon so lange gelebt hat, noch einmal neu und macht viele Begegnungen. Ihm werden Nachtquartiere, warme Suppe und Kaffee mit Hefezopf angeboten, nebenbei werden faszinierende Geschichten erzählt. Die Seen am Wegesrand laden zum Baden ein, in leer stehenden Häusern lässt sich einige Tage verweilen. An den langweiligen Dörfern braust der Mopedmann schnell vorbei, an manchen Orten bleibt er länger. Er genießt es, mit dem Ruderboot die Netze einzuholen. Viel Freude bereiten ihm die Tanzabende im Freien, das gemeinsame Heumachen und das  Barschgrillen am Lagerfeuer. So gelangt er Kilometer für Kilometer immer weiter nach Süden, in die Nähe seines ‚normalen‘ Arbeitslebens im Büro, über das er nun noch einmal grundsätzlich nachzudenken beginnt.

Zusammen mit dem Moped-Reisenden entdecken die Leser*innen Finnland auf eine ganz direkte und persönliche Weise, durch viele kleine und wunderbar erzählte Geschichten und liebenswerte Gestalten. Begleitet werden die Erzählungen von Fotografien, die Juhani Seppovaara im Sommer 2005 auf einer Moped-Reise durch Finnland gemacht hat, die auch die Grundlage des Romans bildet. In der Erzählung verbindet er jedoch die Erfahrungen der Reise mit der Stimmung, in der er rund zwei Jahrzehnte zuvor war, als er noch bei der Zentralbank arbeitete, sich jedoch nach etwas Anderem als jener Büroarbeit sehnte.

 

Leseprobe

 

Juhani Seppovaara, geb. 1947 in Helsinki, arbeitete ein Vierteljahrhundert als Volkswirtschaftler bei der finnischen Zentralbank. Ende der 1990er Jahre gab er seinen Job auf, um als freier Fotograf und Autor das zu tun, was ihm wirklich Spaß macht. Inzwischen sind in Finnland 20 Bücher von ihm erschienen, vor allem über volkstümliche Baukultur. Vier seiner Bücher wurden ins Englische, eines ins Franzö-sische übersetzt. Nach Unter dem Himmel Ostberlins, das kurze Erzählungen und Fotos über das Leben im Ost-Berlin der 1980er Jahre versammelt, ist Mit dem Moped durch Finnland das zweite Buch Seppovaaras, das auf Deutsch erscheint. Seine Fotos wurden bereits in Paris, Madrid, Berlin und St. Petersburg ausgestellt. Seppovaara lebt seit einigen Jahren in Berlin.

 

Maaret Szücs ist 1984 als Deutsch-Finnin in Berlin geboren und aufgewachsen. Derzeit absolviert sie an der FH Potsdam ihren Master of Arts in Kommunikationsdesign. Schöne Gestaltung erfüllt sie mit Begeisterung. Besonders Grafikdesign und Illustration haben es ihr angetan. Bei diesem Buchprojekt kam alles zusammen: Ihre unterschiedlichen Gestaltungsvorlieben und die Erinnerung an Kindheitssommer in finnischer Natur machten es zu einem ihrer Herzensprojekte. Passend zur Erzählung mit Tagebuch-Charakter gestaltete sie dieses Buch mit Illustrationen, Handschrift und alltäglichen Gebrauchsspuren – wie ein Notizbuch des wirklichen Lebens. Neben vielen Stippvisiten nach Finnland lebt Maaret Szücs mit ihrem Mann in Berlin.