Durch die queeren, subkulturellen Milieus Europas

Eine junge Frau lässt sich die Linien eines Totenkopfs auf ihr Gesicht tätowieren. Fortan begegnen ihr in oft zufälligen, alltäglichen Situationen Menschen mit ihren Ängsten, mit Abwehr und Angriffen, welche der plötzlich präsente Tod in ihnen hervorruft. Skullface sucht an verschiedenen Orten Europas, in besetzten Häusern in Amsterdam, als Goldschmiedin in Berlin, nach einem Leben im Einklang mit ihrer künstlerischen Arbeit und ihrer äußeren Erscheinung, die sich von den gesellschaftlichen Konventionen so stark unterscheidet. Yu hingegen verbirgt ihre Gedanken und Gefühle hinter der Maske ihres Gesichts. Als sie von der tödlichen Krankheit inneren Erkaltens erfährt, die sie in sich trägt, macht sie sich allein auf den Weg nach Indonesien, von wo ihre Großeltern einst in die Niederlande kamen. Die beiden verbindet ein Netz von Freund*innen im queeren, subkulturellen Europa und deren Arbeit mit der Berliner Performancegruppe Lumpenkabarett. Wiederkehrende Beobachtungen von Ausdrucksformen des Tanzes, der Musik, der Gestaltung von Raum und Kostüm ziehen sich wie ein verbindender Faden durch die Lebensfragmente der Protagonist*innen.

Ines Birkhans Roman schildert in sprachlich präzisen und feinteiligen, häufig kurzen Szenen das Kaleidoskop gegenwärtigen Lebens in subkulturellen Milieus. Dieses ist geprägt von Erfahrungen des Zusammenlebens in Kommunen, der Hausbesetzung, von Black Metal-Musik und künstlerischen und politischen Aktionsformen. Zusammenhänge entstehen durch Sprünge in der Zeit, durch Verwerfungen, die den Protagonist*innen widerfahren. Bilder und Szenen tauchen auf, Begegnungen ereignen sich, die sich tief in die Erinnerung der Leser*innen einprägen.

 

„Erst mit dieser Zuordnungsverweigerung entsteht jene Folie, auf der ‚Angel Meat‘ als eine Auseinandersetzung mit Möglichkeiten und Abbild einer uns alle betreffenden Suche gelesen werden kann. Einer Suche mit offenem Ausgang, die alle Lebensbereiche, von Kunst bis Sexualität, betrifft und verbindet.“

(Gerald Lind: Zu Ines Birkhans: Angel Meat. Verwerfungen. In: Triëdere – Zeitschrift für Theorie und Kunst)

 

Leseprobe

 

Ines Birkhan lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin und Performerin in Berlin und Wien. Sie studierte Bildhauerei an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und Tanz/Choreographie an der School for New Dance Development in Amsterdam. In den letzten Jahren schrieb sie Kurzgeschichten, zwei Romane und andere Texte, die in zahlreichen Performances mit Videoprojektionen, Tanz und Musik verbunden wurden.

Blog: inesbirkhan.blogspot.de